Then I would like to make a happy end for once

Then I would like to make a happy end for once, Ariane Müller und Verena Kathrein, Kunstverein Nürnberg 2018

Then I would like to make a happy end for once ist eine Ausstellung für den Kunstverein Nürnberg, die auf einem Dialog zwischen der Fotografin Verena Kathrein und der Künstlerin und Autorin Ariane Müller basiert, der vor zwei Jahren in Rom begann. Die Ausstellung ist zum einen eine Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie, ihrer Präsenz und ihrer Entscheidung für den Moment, und es ist ein Ineinanderfalten von zwei Feldern, dem der Komödie und dem des Feminismus.

Then I would like to make a happy end for once
Verena Kathrein und Ariane Müller
Kunstverein Nürnberg 2018
Then I would like to make a happy end for once ist eine Ausstellung für den Kunstverein Nürnberg, die auf einem Dialog zwischen der Fotografin Verena Kathrein und der Künstlerin und Autorin Ariane Müller basiert, der vor zwei Jahren in Rom begann. Die Ausstellung ist zum einen eine Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie, ihrer Präsenz und ihrer Entscheidung für den Moment, und es ist ein Ineinanderfalten von zwei Feldern, dem der Komödie und dem des Feminismus. Es sind auch zwei Personen oder Figuren, die sich in dieser Recherche begegnen. Die italienische Feministin Carla Lonzi, die in den 70er Jahren gemeinsam mit der Künstlerin Carla Accardi die Rivolta Femminile gründete und die Figur des Pulcinella, der in der Comedia dell’arte für die Stadt Neapel steht und dem Giorgio Agamben 2015 ein Buch gewidmet hat. Die gemeinsame Lektüre und die Übersetzung von Lonzis Diario di una Femminista und Agambens Pulcinella ovvero divertimento per li regazzi, die beide bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, stand am Ausgangspunkt einer Recherche mit dem Ziel, Bilder zu finden, für etwas, das entweder zu traurig ist, als dass man es sagen kann, oder aber zu komisch, als dass man es aussprechen kann. Am Rand der Sprache findet sich denn auch das Weinen oder Lachen, in das sich die Sprache in der Unmöglichkeit etwas zu sagen auflöst und damit jene Gefühle, die das unfreiwillige Gefangensein beschreiben, in einem Drama der gesellschaftlichen Positionierung des Anderen aufgrund von zugeschriebenen, unentrinnbaren Unterschieden.

Auch die Figur des Pulcinella wird nicht dadurch definiert, dass er durch eine Handlung zur Person des Dramas wird, sondern einfach nur dadurch, dass er da ist. Er selbst, dessen Geschlecht und dessen Zugehörigkeit zu den Menschen nicht ganz klar sind – Pulcinella wird aus einem Ei geboren und spricht wie Donald Duck, der von ihm abstammt, mit einer tierartigen Stimme – versucht in jedem Drama nur einen Ausweg zu finden und sich, am besten seitlich, aus der Handlung zu entfernen. Sein eigentliches Ziel ist es zu überleben und er verweigert jegliche Komplexität, denn alles ist für ihn ein einfaches Bild. Das Wichtigste ist, etwas zu essen zu bekommen.
In Carla Lonzis Diario di una Femminista wird eine ganz ähnliche Suche nach einem Ausgang beschrieben. Zusammengefasst im Begriff des Separatismo beschlossen die italienischen Feministinnen Mitte der 70er Jahre das Feld, welches auch immer es wäre, die Kunst, die Politik, die Psychoanalyse, zu verlassen und an einer Auseinandersetzung, in der sie sich immer nur verteidigen mussten, auf Gebieten, in denen Frauen über Jahrhunderte ausgeschlossen wurden, nicht mehr teilzunehmen.
Agamben beschreibt den Moment in der Komödie, an der alle Protagonisten die Szene verlassen haben, entlang der Parabasis der griechischen Komödie. Die Parabasis ist jener Teil, in der sich in Abwesenheit der handelnden Figuren der Chor die Maske abnimmt und sich direkt an das Publikum wendet. Es ist der selbe Moment, in dem später Pulcinella seine Witze über das Geschehen reissen wird.
In Then I would like to make a happy end for once sind nun die Fotografien das Geschehen, das sich im Außen für die Fotografin während der Auseinandersetzung mit diesen Gedanken darstellte, während die anderen Arbeiten im Innenraum und ohne zeitlichen Bezug entstanden sind. Alle Medien können nun je nachdem Handlungen oder aber störendes Element sein, das die Handlung nicht weiterträgt, sondern lediglich seine ihm und dem Medium eigenen Witze reißt. Darin steht die malerische Form des Kubismus für eine Auseinandersetzung, die gegen die Perspektive der Renaissancemalerei, als eine eigene Perspektive in einer Art Geheimsprache zwischen zwei Personen entstanden ist, und die als Form paradigmatisch, zum Beispiel in Donald- Duck- Heften, bis heute für die Unverständlichkeit der Avantgarde eingesetzt wird. Dieser neuen Perspektive zugrunde liegt der Wunsch, die Möglichkeit sich im Raum zu bewegen zu zeigen und allem, Tisch, Gitarre, Flasche zu einem präsenten Körper (und zumeist einen weiblichen) zu machen, Dreidimensionalität und Präsenz zu geben. Historisch entstand der Kubismus aus einer Auseinandersetzung mit der Zweidimensionalität der Fotografie und der Mehrdimensionalität von Charlie-Chaplin-Filmen und erinnert heute an die Unterkomplexität des „Dritten Tischs“ des spekulativen Realismus, der an sich eine Art Pulcinella der Philosophie darstellt – bloß raus hier!
In Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten schreibt Freud, dass, um einen Dritten in das Entstehen eines Witzes einzubinden, es notwendig ist, dass bei diesem keinerlei widrige oder feindliche Tendenzen bestehen. Deshalb ist die Ausstellung auch der Versuch, alle Bilder wie in einer Welt unter Wasser zu präsentieren, eine Welt, wie der französische Philosoph Gilles Deleuze schreibt in der alles ineinander gefaltet ist. Die Fische ins Meer so gefaltet sind, wie das Meer in die Fische.